Kopenhagen, 02. Juni 2007 - Im Parken, Dänemarks Nationalstadion, rollt der Ball. Anlässlich eines EM-Qualifikationsspiels ist die Mannschaft Schwedens zu Gast. Es läuft die 89. Spielminute. Bis dahin hatten die 42.083 Zuschauer ein überaus aufregendes, beinahe denkwürdiges Spiel erlebt.
Die Gastgeber, aufgrund der Tabellenkonstellation zum Siegen verdammt, sahen nach einem 0:3-Rückstand, gerade einmal 26. Minuten waren gespielt, ihre ohnehin schon geringen Chancen zunehmend schwinden. Doch eine grandiose Aufholjagd brachte sie noch einmal ins Spiel zurück.
Spielabbruch in Kopenhagen
Die Gemüter waren erhitzt in diesem skandinavischen Duell. Provokationen blieben da nicht aus. Dem dänischen Mittelfeldspieler Christian Poulsen brannten in dieser heißen Atmosphäre die Sicherungen durch. Er ließ sich im eigenen Strafraum zu einer Tätlichkeit gegen den Schweden Markus Rosenberg hinreißen. Was dem deutschen Schiedsrichter Herbert Fandel zunächst entgangen war, blieb seinem Assistenten an der Linie nicht verborgen. Konsequenz war die Rote Karte für Poulsen und ein Elfmeter für die Gäste.
In der Folge stürmte ein stark alkoholisierter dänischer Stadionbesucher auf das Spielfeld und attackierte Fandel tätlich. Dieser sah sich daraufhin gezwungen, die Partie abzubrechen. Für den dänischen Fußball war dies "ein ganz, ganz schwarzer Tag", wie selbst Trainer Morten Olsen später zugab.
"We are red, we are white, we are danish dynamite"
Rot und weiß gekleidet, durchaus trinkfest, aber stets friedlich - so kannte man die dänischen Fans. So waren sie immer und überall gern gesehene Gäste in den Stadien dieser Welt. Ein einziger Idiot hat den seit Jahrzehnten überaus guten Ruf auf einen Schlag ruiniert.
Dem dänischen Fußballverband (DBU) waren die Konsequenzen sofort bewusst. Beinahe resignierend gaben sie die Partie freimütig mit 0:3 Toren verloren - wohl wissend, dass der noch ausstehende Entscheid des europäischen Fußballverbandes UEFA noch viel härtere Sanktionen bereithalten wird. Geldstrafe, Heimspielsperre stehen da im Raum.
Der Schock nach dieser Attacke saß tief und übertraf gar die Enttäuschung über das nun nahezu aussichtslose Unterfangen, die EM-Qualifikation noch zu schaffen. Doch immerhin kann man den Dänen das sofortige Schuldeingeständnis zugute halten. Und die Spieler bewiesen Courage und versuchten, den Schiedsrichter vor dem Angreifer zu schützen. Versöhnliche Worte zum Abschluss eines der betrüblichsten Kapitel dänischer Fußballgeschichte. Die Einsicht des inzwischen ausgenüchterten Chaoten jedoch, der sich auf Initiative zweier großer Tageszeitungen bei allen Beteiligten und Betroffenen entschuldigte, kommt in jedem Fall zu spät.