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Kolumne: Was erlauben … Italia?!

20. 04. 2007 - Enrico Barz

Am Mittwoch dieser Woche wurde im walisischen Cardiff bekannt gegeben, wo die Fußball-Europameisterschaft 2012 stattfinden wird. Polen und die Ukraine gingen dabei als Sieger hervor. Die Gemeinschaftsbewerbung beider Länder konnte acht Stimmen des UEFA-Exekutivkomitees auf sich vereinigen. Während die Doppelbewerbung von Kroatien und Ungarn vollkommen leer ausgingen, verbuchte Italien lediglich vier Stimmen.

Der Aufschrei im Land des amtierenden Weltmeisters war groß, galten die Südeuropäer doch als Favoriten. Man war fest davon ausgegangen, den Zuschlag zu bekommen. Entsprechend heftig fielen die Reaktionen von italienischer Seite aus. Von zwischenzeitlich demonstrierter Demut keine Spur - diese war offensichtlich nur gespielt.

Doch woher nahmen die Italiener eigentlich ihre Zuversicht? Einzig auf die Schwachpunkte der Konkurrenten zu setzen, stärkt noch lange nicht die eigenen Argumente. Und diese waren den Südeuropäern längst ausgegangen. Niemandem in der Fußballwelt ist dies entgangen. Nur die Italiener selbst verschließen offenbar die Augen vor ihren massiven Problemen.

Der italienische Fußball liegt am Boden, wie seit 20 Jahren nicht mehr. Der WM-Titel konnte hier nur notdürftig ablenken und hat vielleicht sogar den totalen Zusammenbruch verhindert. Der Manipulationsskandal nimmt immer größere Ausmaße an. Erst in dieser Woche geriet er wieder in die Schlagzeilen. Die Staatsanwaltschaft Neapel wird in diesem Zusammenhang gegen 48 Personen, darunter auch Schiedsrichter, Anklage wegen Sportbetruges erheben. 21 von Ihnen wirft man gar die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vor. Ein Ende scheint noch lange nicht in Sicht.

Der Fußball in Italien hat längst jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Die nationale Liga (Serie A) ist mehr eine Farce. Juventus Turin wurde zwar in die zweite Liga strafversetzt. Überraschend aber steht ein anderer nicht ganz unbeteiligter Verein aktuell im Halbfinale der Champions League. Die Sportgerichtsbarkeit zeigte sich hier äußerst nachgiebig und entschärfte einst ausgesprochene Strafen erheblich. Davon profitierte eben auch der AC Mailand.

Und als ob dies nicht schon genug des Übels wäre, hat Italien ein massives Problem mit Rassismus und Gewalt in den Stadien. Der Tod des Polizisten in Catania ist noch frisch in Erinnerung. Dass die Stadionsperre aber inzwischen schon wieder aufgehoben ist, daran stört sich offenbar niemand. Einzig die wahren Fans zeigen eine Reaktion, sind doch die seit Jahren rückläufigen Zuschauerzahlen in dieser Saison noch einmal kräftig eingebrochen.

Angesichts dieser unhaltbaren Zustände verwundert es, dass der italienische Fußballverband FIGC seine Bewerbung nicht zurückgezogen hat. Ein Funken Anstand und das Eingeständnis der eigenen Fehler und Schwächen hätte unweigerlich zu einem derartigen Entschluss führen müssen. Dass man sich dann aber wundert, bei der Wahl des EM-Ausrichters nicht berücksichtigt worden zu sein, und dies einzig einer sportpolitischen Entscheidung zu Gunsten Osteuropas zuschreibt, zeugt von bodenloser Ignoranz.


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